Zwei Generationen: Uwe (links) und Otto Hauptmann vor einem historischen Berliner Stadtplan Fot Karin Rieppel
BERLIN. Als die Hauptmanns am 1. April 1992 ihre Hotelpension in der Ostberliner Kastanienallee eröffneten, beschlossen sie, das etwas unglücklich gewählte Datum als Herausforderung zu sehen: Top oder Flop. Sie begannen mit sechs Zimmern und ohne Frühstücksraum.
Damit die Gäste dies nicht als Mangel empfanden, wurden sie jeden Abend gefragt: „Wann möchten Sie morgen früh Ihr Frühstück haben?“ und dann wurde im Zimmer serviert. Später, als es dann den Frühstücksraum gab, bedauerte mancher Gast, dass das Frühstück nicht mehr ans Bett gebracht wurde. Doch zunächst hatten die Hauptmanns erfolgreich aus der Not eine Tugend gemacht und darin hatten und haben sie viel Übung und Erfahrung.
Mittlerweile hat das Hotel 35 Zimmer und wurde im Jahr 2009 zum beliebtesten Berliner 3-Sterne-Hotel gewählt. Die Hauptmanns, die auch ihre Wohnungen im Haus haben, geben alles für ihr Hotel und ihre Gäste. Und sie versuchen insbesondere die Historie ihres Hauses und ihres Viertels wieder lebendig werden zu lassen und ihren Gästen nahe zu bringen.
Ein Hoch auf den Mittelstand
Im ganzen Haus hängen historische Fotos aus Berlin-Mitte und der Kastanienallee an den Wänden, in den Frühstücksräumen stehen Vitrinen mit Gegenständen, die altes Handwerk und die Tradition einstiger mittelständischer Betriebe, wie zum Beispiel Brauereien, dokumentieren: „Es gab hier in diesem Teil von Berlin immer Mittelstand“, sagt Otto Hauptmann, „und auch das wollen wir zeigen.“
Und dass sie selbst Teil dieser Tradition sind: Die Familie Hauptmann hat ihre um 1865 erbauten Immobilien, zwei nebeneinander liegende Wohnhäuser, die seit Anfang der 30er Jahre im Besitz der Familie waren (damals hat sie der Großvater beziehungsweise Urgroßvater Boleslaus Schulz, der ein paar Häuser weiter eine Fleischerei betrieb, gekauft), durch schwere Zeiten gebracht. Den Krieg haben die Häuser ganz gut überstanden, 1945 zog dann die russische Kommandantur ein. Zu DDR-Zeiten wurden sie als Mietshäuser genutzt und in den 60er Jahren wurde ihnen der Stuck abgeschlagen. Seit Mitte der 80er Jahre stand ein Haus komplett leer, im anderen Haus wohnte die Familie. Besonders die 80er Jahre waren eine schwierige Zeit: Das Viertel war zwar äußerst beliebt bei der Ostberliner Bohemien, doch die Häuser, das gesamte Viertel, waren einem dramatischen Verfall preisgegeben. Die Hauptmanns versuchten, ihre Häuser irgendwie zu schützen – ein schwieriges Unterfangen.
Dann kamen Mauerfall und Wende und schon im Februar 1990 hatte Otto Hauptmann das Kunststück geschafft, eine Gewerbegenehmigung zum „Aufbau einer Pension mit Wein- und Bierkeller“ in den Händen zu halten. Die Familie hatte sich zuvor gefragt, was aus den geschundenen Häusern werden soll und sah die Rettung in der Umwandlung der Mietshäuser in ein Hotel.
Dafür brauchten sie natürlich Geld und das wollte ihnen keine Bank geben: Zu exotisch, was die Hauptmanns da 1990 in Ostberlins heruntergekommener Mitte vorhatten. Erst bei der Deutsche Industriebank (IKB), die heute pleite ist, sagten die Manager „So einen Spaß leisten wir uns“ und gaben einen Kredit. Weil die Hauptmanns kein Eigenkapital hatten, wurden ihre Eigenleistungen als solches anerkannt. Und sie hatten tatsächlich fast die komplette Innensanierung selbst gemacht.
Enger Bezug zu Berlin
In den 90er Jahren war der Kastanienhof fast das einzige Hotel weit und breit und noch heute gibt es Stammgäste aus dieser Zeit. Inzwischen ist die Gegend um die Kastanienallee weitgehend saniert, ein Touristenmagnet, und es gibt in der Umgebung zahlreiche Hotels und Hostels, also eine Riesenkonkurrenz. Das heißt für den Kastanienhof, dass er seine spezifische Nische „historischer Berlinbezug“ noch weiter pflegen und ausbauen wird, nicht nur durch die Lage „im historischen Zentrum von Berlin“. Und das Haus setzt auf die Qualität des Personals: „Wir haben“, sagt Uwe Hauptmann, „nur fest angestellte Mitarbeiter und leisten uns einen eigenen Hausmeister. Wir wollen, dass sich die Mitarbeiter mit unserem Hotel identifizieren können und unsere Gäste davon profitieren.“
Und der Kastanienhof ist ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Attraktionen, wendet sich speziell an Gäste und Reisegruppen mit kulturellen Interessen, bietet jetzt auch hoteleigene Fahrräder zur Erkundung der Stadt an. „Wir haben“, sagt Uwe Hauptmann, „vergleichsweise spät mit dem Internet angefangen, aber jetzt versuchen wir auch dort, uns immer wieder neu zu positionieren.“
Und auch die nächste Generation ist schon im Anmarsch: Uwe Hauptmanns Sohn Maximilian macht gerade eine Ausbildung im Hotel Steigenberger in Berlin. Karin Rieppel
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